Einladung zum Kochevent

von Gundula Berking

Endlich liegt in der kontaktarmen Coronazeit wieder einmal Post in unserem Briefkasten! Es ist eine längliche Briefkarte von einem bekannten Weingut aus unserer Gegend. Aufmerksam lese ich auf der Vorderseite die großen schwarzen Lettern auf weißem Untergrund:
Einladung zum Kochevent
Neugierig geworden drehe ich die Karte um:
Alle Restaurants geschlossen? Hier ein Tipp von uns:
Wir laden Euch am Samstag den 9. Mai ein, zusammen mit uns an euren Computern ein Menü zu kochen. Passend zum Essen haben wir drei Weine aus unserem Sortiment ausgesucht.
Bitte das Paket mit den Zutaten und Weinen für 2 Personen bei uns bis Mittwoch den 6. Mai bestellen. Wir liefern alles zu Euch direkt nach Hause, natürlich kostenfrei.
Ruft am Samstag um 18 Uhr die angegebene Internetadresse auf. Und schon geht’s mit dem gemeinsamen Kochvergnügen los!

Eine tolle Idee in der Zeit der begrenzten Ausgangssperre! Kochen zu zweit am Samstagabend, wo man sowieso nichts Besonderes als Fernsehen vor hat, und alle Lokale und Bars Corona bedingt geschlossen sind. Außerdem gibt es keinen Streit zwischen den Partnern, dass jemand vielleicht eine Zutat vergessen hat einzukaufen. Es wird gekocht, was im Paket liegt. Das Menü ist ja schon vorgegeben. Und einen Schluck mehr kann man auch daheim trinken, weil man kein Auto mehr zu fahren braucht.
Über das „natürlich kostenfrei“ muss ich schmunzeln, weil es im ersten Moment so aussieht, als wäre der Spaß umsonst.
Mein Mann hat mich beim Lesen beobachtet. Neugierig fragt er:
„ Na, was gibt es zu lachen?“
Ich zeigte ihm die Karte, und frage lauernd:
„Lies selbst. Was hältst du davon?“
Mein Mann ist ein Kochmuffel. Er hat alles, was mit Küchenarbeit zu tun hat, außer ab und an mal abtrocknen, nicht viel im Sinn. Wider Erwarten meint er jedoch:
„Keine schlechte Idee. Mal was Neues. Momentan kocht ja alle Welt viel zu Hause.“
„Ja eben. Und zu zweit haben wir noch nie zusammen gekocht. Alles unter Anleitung. Da kann nichts schief gehen“, versuche ich seine zögerliche Zustimmung zu unterstützen.
„Also gut. Ruf am besten gleich an“, schlägt er vor.
„Ja, mache ich nachher. Es ist ja bis zu diesem Wochenende noch viel Zeit.“


Am Samstag, den 9. Mai schaut mein Mann am Frühstückstisch, wie jeden Morgen, in seinen Terminkalender:
„ Ah ja. 18 Uhr. Da wird es bei uns lustig“, grinst er. „Heute lassen wir am besten das Mittagessen ausfallen.“
„Warum das denn?“
Mir bleibt die Frage im Halse stecken. Ich habe vergessen anzurufen, um das Paket für das gemeinsame Kochen zu bestellen!! Schnell stehe ich auf und suche hektisch nach der besagten Karte. Ich ahne, dass sie meinem Ordnungseifer längst zum Opfer gefallen ist. Heiß fällt mir ein, dass die letzte Entleerung der Papiermülltonne vorgestern gewesen war. Aber ich habe mir den Namen des Weinguts gemerkt. Dort rufe ich sofort an und fragte, ob wir heute Abend noch bei dem Koch-Event mitmachen könnten.
„Tut uns leid. Alle Pakete sind schon ausgeliefert worden. Aber die Weine können Sie jederzeit bei uns verkosten“, bekomme ich zur Antwort.
„Schade“, meine ich traurig.
„Wir wollen das Kochevent demnächst wiederholen. Wenn Sie wollen, setzte ich Sie gleich auf die Anmeldeliste“, schläft man mir vor.
„Danke. Ich melde mich wieder.“
„Und?“ fragt mein Mann, nachdem ich aufgelegt habe.
Ich zucke bedauernd mit den Schultern.
„Jetzt hätten wir heute Abend mal zur Abwechslung was anderes vor….“, mault er.
„Also doch wieder ein normales Mittag und Abendessen.“
Ja, meine Schuld. Ich habe es vermasselt. Ich sause los, um ein paar besondere Leckereinen für das ausgefallene Abendmenü zu besorgen.
Um mich zu ärgern, schaltet mein Mann Punkt 18 Uhr seinen Computer ein, um zu erfahren, welches tolle Menü ihm heute Abend entgehen wird. Ich will es gar nicht wissen, weil mich noch immer das schlechte Gewissen plagt, und verschwinde in der Küche, um das Abendessen zu richten.
Kurze Zeit später kommt mein Mann in die Küche:
„Mm, das sieht aber lecker aus, was du da zauberst“, sagte er gut gelaunt, während ich die Soße für den Salat zubereite. Er drückt mir zärtlich einen Kuss aufs Haar. Bevor er in den Keller läuft, ruft er fröhlich: „Ich sorge für die Getränke!“
Was ist denn mit ihm los, überlege ich und beginne den Tisch zu decken. Nachdem wir den knackig frischen Salat als Vorspeise gegessen haben, ernte ich ein Lob:
„ War köstlich, dein Salat.“
Dann fragt er listig schmunzelnd:
„Na, willst du denn gar nicht wissen, was wir heute Abend versäumt haben?“
Ich schaue ihn schief lächelnd an.
„Läppische Salatblätter vorweg und dann Rheinhessisches Goulasch mit Fleisch- und Blutwurst!“
Ich atme auf. Gar nicht unsere Geschmacksrichtung! Das bestellte Menü wäre im Mülleimer gelandet. Versöhnt und zufrieden prosten wir uns zu und genießen weiter unsere Hausmannskost. Sollten wir doch noch einmal auf den Gedanken kommen, das gemeinsame Kocherlebnis mitzumachen, werden wir uns zuerst erkundigen, was für ein Menü zusammengestellt wird.




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